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Haselünne, Samstag 27 August 2016 von 17:00 bis 23:30 Uhr

Haselünne. An die 3000 Besucher des ersten Haselünner Singer-Songwriter-Festivals sind am Samstagabend bei schönem Spätsommerwetter von Musikbühne zu Musikbühne gebummelt und haben dabei insgesamt 24 äußerst kreative Musiker und Liedermacher in verschiedenen Band-Konstellationen erlebt.

Auf sechs Bühnen präsentierten internationale Künstler ihre zu 95 Prozent aus eigener Feder stammende Musik. Folk, Blues, Country und ein Hauch von R&B bildeten eine interessante Hör-Mixtur.

Viele Musiker sind aus den benachbarten Niederlanden in die Hasestadt gekommen und trafen hier auf ihre Singer-Songwriter-Kollegen aus Deutschland und sogar aus Amerika. Folkmusik, wie sie in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren sehr populär war, ist bei den jungen Musikern – unter dem Genre Singer-Songwriter – wieder angesagt. Man huldigt den Legenden wie Bob Dylan, Pete Seeger oder Neil Young mit eigenen Songs und Arrangements, die wie zu guten alten Folkzeiten von Liebe, Heimat, Schmerz und Freude erzählen.

Die Idee, diese Musik live auf die Haselünner Bühnen Westerholt’scher Burgmannshof, Roschehof, Markt, Kulturkino, Jagdhaus Wiedehage und Hopfenmarkt zu bringen, hatten Ger Happel und Roel Kolthek . „Wir sind keine Profis, sondern machen das aus Liebe zu dieser Musik“, sagten die Organisatoren am Rande des Festivals. „Und das haben die toll hingekriegt“, lobte Elisabeth Vocke, vom federführenden Stadtmarketing-Verein. Vocke stellte den Musikfans auf den jeweiligen Bühnen die Singer-Songwriter vor.

Locker umorganisiert

Leider musste die „Lokalmatadoren Ennulat & Spatz wegen einer Sommergrippe absagen, „aber da haben wir einfach ganz locker umorganisiert“, sagten Happel und Kolthek. Für das Duo beorderten sie Morina Miconnet und Phil Wood vom Kulturkino auf die Burgmannshof-Bühne. Im Hasetor Kultur Kino, der einzigen Indoor-Bühne, spielte Thomas Hine aus Colorado im Wechsel mit den großartigen Musikerinnen Agata Paulina und Meike Schrader.

Es gehörte vonseiten der Organisatoren und Sponsoren schon eine gehörige Portion Mut dazu, dieses musikalische Open-Air-Stadtfest einer Nischengruppe der Musikszene zu widmen, denn anspruchsvolle Liedermacher gehören bestimmt nicht zu den Lieblingen der Partyszene. Und so verwunderte es auch nicht, dass hier und da die Kommunikation der Singer-Songwriter – bekannterweise immer auch gute Storyteller – mit dem Publikum nicht ganz so klappte wie auf einem Genre-Konzert. Aber die Musik kam bei den meisten Bühnenbummlern gut an.

 

 

Unterhaltsames Happening

Etwa die von Tip Jar, das musikalisches Projekt von Bart de Win und Arianne Knegt, unterstützt durch eine gute Backgroundband, die gepflegte Country-Folk-Music auf die Burgmannshof-Bühne brachten. Im Wechsel mit dem dynamischen Duo Morina Miconnet und Phil Wood entwickelte sich dort ein unterhaltsames „Folkhappening“ bis in die späten Abendstunden hinein.

Alleine mit seinen diversen Saiteninstrumenten beeindruckte Bad Temper Joe auf der Marktbühne die Zuhörer. Die interessante Spieltechnik und die markanten Stimme des jungen Folkbarden brachten seine schnörkellosen, ehrlichen Songs bestens zur Geltung. Das galt auch für Robert Oberbeck und Markus Rill, mit denen sich Bad Temper Joe die gut frequentierte Bühne teilte. Eindruck hinterließen die drei jungen Singer-Songwriter auch bei den niederländischen Musikscouts, die sich auf der Suche nach neuen Talenten unter das Publikum gemischt hatten.

Fiddle-Spiel und Fingerpicking

Mit Eric Devries & Kim de Beer präsentierten die Veranstalter echte Americana-Songwriter. Gekonntes Fingerpicking von Devries, gewürzt mit leidenschaftlichen Fiddle-Spiel von Kim de Beer, formte eine spannende Mischung aus Folk und Blues im Americana-Stil. Das Duo wurde auf der Wiedehage-Bühne von Specs Hildebrand, dem Troubadour des gefühl- und humorvollen Liederguts, abgelöst. Beide Stilrichtungen ergänzten sich auch dort sehr gut.

Sehr abwechslungsreich ging es auch am Hopfenmarkt zur Sache. Jenny K & Liseth Horsten, zwei Musikerinnen aus Holland, präsentierten sich dort stark beeinflusst von der englischen und amerikanische Folk- und R&B Musik der 1970er Jahre. Richtig gut, wie die beiden tollen Sängerinnen den Geist dieser Musikepoche in ihren eigenen Songs integrierten. Auch hier passte der Bühnenwechsel mit Frink, deren Akustikrock mit scharfen deutschen Texten einen wunderbaren Kontrast zu den verträumten Melodien der Mädels aus den Niederlanden bildete.

Abseits des Mainstreams

Mit Any2 und Zeki Min hatten die Veranstalter auch wieder Musiker abseits des Mainstreams für die Rosche-Bühne verpflichtet. „Geschichten, die das Leben halt so schreibt“, erzählten Any2 mit ihrer ganz eigenen akustischen Pop-Folk-Mucke. Zeki Min hatte mit Gunnar Vosgröne einen experimentellen Cellisten mit nach Haselünne gebracht und entpuppte sich durch seine mehrere Tonarten umfassende Stimme und durch das spannende Zusammenspiel mit Gunnar als ein Highlight des ersten Haselünner Singer-Songwriter-Festivals.

Einig waren sich Veranstalter und Besucher: „Der Mut zu einem Stadtfest ohne Mainstream- und Partymusik trägt bestimmt auch für die nächsten Jahre Früchte.

- - Artikel aus Meppener Tagespost

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